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Josef und Maria auf der Flucht?

Betroffenheit herrschte bei den Schülerinnen und Schülern der Schulen Rahn angesichts eines Dokumentarfilmes, bei dem schwarze und weiße Kinder aussuchen sollten, mit welcher Puppe sie lieber spielen wollten...

Der überwiegende Teil wählte die weiße statt der schwarzen Puppe - weil diese die "Gute" sei. Wie entwickeln sich Vorurteile, wieso verinnerlichen wir diese, und woher kommt der Hass, der teilweise den Flüchtlingen entgegen schlägt? Grundlage diesbezüglicher Reflexionen war ein durchgeführtes Experiment vor einigen Wochen, bei dem es innerhalb kürzester Zeit gelungen war, die Schülerinnen und Schüler in eine diskriminierte Gruppe der Blauäugigen und in eine überlegen agierende Gruppe von Braunäugigen zu verwandeln. Damals internalisierten beide innerhalb kürzester Zeit abstruse Aussagen des Seminarleiters über Menschen der jeweils anderen Augenfarbe. Die Behauptung, dass Flüchtlinge kriminell seien, Frauen nicht Autofahren können, wie entstehen solche Vorstellungen im Gehirn? Der Referent Jürgen Schlicher (diversity works) verdeutlichte anhand verschiedener Beispiele und vieler Fakten, wie unbegründet viele Befürchtungen z.B. angesichts der vielen Flüchtlinge sind. "Stuttgart, München und Karlsruhe haben den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, weibliche Führungskräfte sind eher in der Türkei als in Deutschland zu finden und nein, Flüchtlinge essen keine Kinder", anhand unterschiedlicher, teilweise überraschender, teilweise mit Lachen quittierenten Fakten wurde so manches Weltbild hinterfragt. Länder oder Städte mit hohem Migrationsanteil haben ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, genau wie Deutschland nach jeder größeren Einwanderungswelle und ohne Zuwanderung überaltert Deutschland. Die Fakten sind klar, trotzdem ist die Ablehnung des Fremden groß. Wie funktionieren Vorurteile und wieso verfangen rechtsradikale Ideologien, egal ob von der AfD oder der Pegida? Menschen suchen erst einmal nach der Bestätigung ihrer eigenen Vorurteile, dieses Benehmen wurde auch anhand der Verhaltensweise der Teilnehmenden beim Experiment am ersten Seminartag deutlich. Sich von den eigenen Vorurteilen lösen bedarf den Willen, Ehrlichkeit, Selbsterkenntnis und richtiger Arbeit, diese Ergebnisse aus der Hirnforschung wurden vorgestellt und erläutert. "Nicht weghören oder wegschauen bei diskriminierendem Verhalten", so die Organisatorin und Lehrkraft der Schulen Rahn, Claudia Eckhardt, oder wie eine Schülerin sagte, "einfach mit der Diskriminierung aufhören, dies ist Sinn und Zweck unseres zweitägigen Seminares". Sie bedankte sich zum Abschluss bei der WABE, durch deren Vermittlung dieses Zivilcourage-Seminar im Rahmen des Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. "Josef und Maria herzlich Willkommen heißen und nicht die Tür vor der Nase zuzuschlagen", so der Schlussappell, passend zur Weihnachtszeit.