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Verweigerung und Verleugnung

Verweigerung und Verleugnung - wie sollen Verhandlungen dann Erfolg haben?

Schon die Auftaktkonferenz ließ erahnen, dass die zwei Tage im Jugendhaus Nienburg turbulent werden würden. Bei dem Projekt ging es darum, eine friedliche Lösung für einen fiktiven Konflikt zu finden, bei dem das humanitäre Völkerrecht verletzt wird.

 Im Rahmen der Kampagne "Humanitäre Schule" des Jugendrotkreuzes (JRK) nahm die Fachoberschule-Wirtschaft, Klasse 11 C, begleitet von ihrer Politiklehrerin Claudia Eckhardt und unter Anleitung ihrer in einem Wochenendseminar vorbereiteten Mitschüler Baris Boran und Timur Gürses an einem Planspiel "h.e.l.p." teil. "h.e.l.p." steht für "Humanitäres Entwicklungs- und Lernprojekt" und ist ein politisches Planspiel für 14 bis 30 Spielerinnen und Spieler ab 15 Jahren.

Welche Möglichkeiten gibt es, verschiedene Bürgerkriegsparteien, die sich aus wirtschaftlichen Gründen bekämpfen, an den Verhandlungstisch zu bringen? Ist es realistisch, unterschiedliche wirtschaftliche Interessen und Menschenrechtsverletzungen, die zu einem blutigen Konflikt führten, durch Gespräche zu beseitigen und zu beenden? Und wie schafft es das Internationale Rote Kreuz, sich in solchen Gebieten für mehr Menschlichkeit einzusetzen? Mit dieser Frage beschäftigten sich 23 Schülerinnen und Schüler der Schulen Rahn an zwei aufeinander folgenden Tagen. Das Planspiel befasst sich mit vielfältigen Bereichen, unter anderem mit Ressourcenkonflikten, Handelsbeziehungen und dem Thema soziale Gerechtigkeit. Die JRK-Kampagne zielt darauf ab, Jugendlichen die Inhalte des Humanitären Völkerrechts zu vermitteln und sie dabei zu unterstützen, Solidarität mit Schwächeren zu üben. Die meisten Schwierigkeiten entstanden an diesen zwei Tagen durch die Nicht-Einhaltung frisch ausgehandelter Verträge und der Verleugnung/Verniedlichung begangener Verbrechen, teilweise auch durch die sture Verhandlungsverweigerung einzelner Länder. Die Presse machte durch bohrende Nachfragen und Kommentare ihrem Ruf als vierte Gewalt alle Ehre - die anwesenden Ländervertreter wussten sich oft nur noch durch eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit zu helfen. Die Wirtschaftsklasse schaffte es am Ende der zwei Tage trotz heftiger verbaler Angriffe und gegenseitigen Drohungen den Bürgerkrieg durch viele Verhandlungsrunden zu beenden. Die Gesprächsregeln der Vereinten Nationen, vertreten durch Baris Boran und Timur Gürses, sorgten dafür, dass alle ihre Interessen vorbringen konnten. Allerdings bekamen nicht alle Länder das, was sie sich am Anfang durch die Verhandlungen erhofft hatten. Die Verweigerungs- und Verleugnungshaltung eines diktatorischen Staates zahlte sich zumindest für diesen aus. "Kriege, Bürgerkriege und Menschenrechtsverletzungen sind täglich in den Nachrichten. Dieses Projekt vermittelt einen Eindruck in die Schwierigkeiten, verschiedene Bürgerkriegsparteien zu friedlichen Verhandlungen und Kompromissen zu bewegen", so Claudia Eckhardt, Projektverantwortliche der Schulen Rahn. "Nachrichten über (gescheiterte) Friedenskonferenzen werden nach einem solchen Planspiel erfahrungsgemäß anders verfolgt."