Wirtschaftsschule Rahn Wirtschaftsschule Rahn

Kafka-Projekt im Nienburger Kulturwerk

Fachoberschule-Gestaltung der Wirtschaftsschule Rahn stellte aus

Am 12. und 13. Januar stellten die Schüler der 12. Jahrgangsstufe der Fachoberschule-Gestaltung der Dr. P. Schulen Rahn Nienburg ihre Arbeiten im Kulturwerk Nienburg aus.

Die Ausstellung wurde durch eine Lesung und Vorträge zum Thema eröffnet. Sebastian Albers las Auszüge aus Franz Kafkas "Brief an den Vater", Christian Reiss las Teile aus "Briefe an Felice", beides Werke, die erst nach Kafkas Tod im Jahre 1924 veröffentlicht wurden. Deutschlehrer Ulrich Krause und Stephan Albers, Lehrer des Faches Gestaltung, gaben in ihren Vorträgen den Besuchern eine Einführung in Thema und Intension der Ausstellung. Es war das Produkt des fächerübergreifenden Unterrichts der Fächer Deutsch und Gestaltung. Methoden des Textverständnisses und die Analyse sind Voraussetzungen für die künstlerische Gestaltung, die sich in Zeichnungen, Acrylmalerei, Tusche, Fotos, Collagen und Skulpturen präsentierte. Hier galt es die Motive Kafkas herauszuarbeiten und zu gestalten. Stephan Albers betonte in seinem Vortrag die Notwendigkeit des Abstraktionsvermögens für die gestalterische Umsetzung. Durch diese Überleitungen war es dem Publikum auch möglich, eine besondere Sichtweise für das Betrachten zu entwickeln.

Ebenfalls beeindruckt von der Qualität der ausgestellten Werke zeigte sich der Geschäftsführer des Nienburger Kulturwerks, Dieter Mehring. Dieser bot der Schule und ihren Schülerinnen und Schülern spontan eine weiterführende Zusammenarbeit an.

Eindrucksvoll am zweiten Abend die szenischen Darbietungen der Theatergruppe "Die Spielverderber" unter der Regie von Michael Suhr, die in Kooperation zum Gelingen dieser beiden Abende beitrugen.

In Anlehnung an das dokumentarische Theater wurden zunächst biografische Sequenzen aus Kafkas Leben präsentiert. "Vor dem Gesetz" setzten Ariane Rabe, Gülcan Songün, Sina Makris und Michael Suhr mit einfachen Mitteln eindrucksvoll in Szene. Dem Publikum wurde das zwanghafte und vergebliche Bemühen des Einzelnen nach der existentiellen Sinnsuche und das Scheitern vor der Autorität mit der bitteren Erkenntnis von Orientierungslosigkeit und Resignation verdeutlicht.

"Der Gruftwächter", Kafkas einziger Dramentext, zeigt die undurchsichtigen Machtverhältnisse am Hof eines Fürsten als Beispiel eines politisch instabilen Systems.

Ein hinfälliger Greis, hervorragend gespielt von Michael Suhr, zeigt das vergebliche Bemühen um seine Existenz im Dienst der Fürstenregentschaft in der Unentschlossenheit zwischen Kammerherrn, gespielt von Ariane Rabe, und Fürsten, gespielt von Sina Makris. Die skurrile Verbindung von Greisenhaftigkeit und Vitalität erinnert an Kafkas Vaterfigur aus dem Prosatext "Das Urteil" und die eigene Zwiespältigkeit zum Vater. Es kommt in dem Dramentext zu keinem konkreten Abschluss, so endete diese Inszenierung auch fragmentarisch mit der Schlusserkenntnis und einem wesentlichen Motiv Kafkas, die die Unmöglichkeit des Seins demonstrierte.